Die Cloud ist längst Teil des Alltags vieler Unternehmen. Doch zwischen Flexibilität, Kostenvorteilen und Geschwindigkeit lauern Risiken, die oft erst sichtbar werden, wenn es zu spät ist. Gutes Cloud-Risikomanagement sorgt dafür, dass Chancen genutzt werden, ohne die Kontrolle über Daten, Prozesse und Geschäftsmodelle zu verlieren.
Transparenz
Klare Sicht auf Daten, Abhängigkeiten und Verantwortlichkeiten in der Cloud.
Kontrolle
Risiken werden strukturiert bewertet statt im Tagesgeschäft verdrängt.
Handlungsfähigkeit
Entscheidungen basieren auf Fakten – nicht auf Annahmen oder Hersteller-Versprechen.
Cloud-Risikomanagement ist kein Selbstzweck. Es geht nicht darum, Innovation auszubremsen. Im Gegenteil: Wer Risiken kennt, kann mutiger entscheiden.
Es zwingt dazu, Fragen zu beantworten, bevor sie kritisch werden: Was passiert, wenn ein Dienst nicht mehr verfügbar ist? Welche Abhängigkeiten akzeptieren wir – und welche nicht?
Gutes Risikomanagement muss nicht kompliziert sein. Entscheidend ist ein pragmatisches Vorgehen.
Welche Cloud-Dienste sind geschäftskritisch? Welche Abhängigkeiten bestehen?
Nicht jedes Risiko muss eliminiert werden – aber jedes sollte bewusst entschieden sein.
Beratung spielt hier eine zentrale Rolle – nicht als theoretisches Konstrukt, sondern als strukturierte Begleitung vom ersten Überblick bis zur Umsetzung.
Bereits 2 mal wurde das Abkommen der EU mit den USA durch Gerichte kassiert. Was passierte, etliche Unternehmen mussten ihrer Risiken neu bewerten, Daten aus den USA - abziehen und andere Dienstleister suchen. Derartige Urteile können eine Reihe von Aufwänden und damit Kosten nach sich. Insbesondere kleinere Unternehmen können das oft nicht einfach absorbieren. Die juristischen Änderungen können abhängig vom Geschäftsmodell teils empfindlichen treffen.
Neben der Zeitlichen Auswirkung und der Reversibilität bei einem Eintritt spielen weitere Aspekte eine wichtige Rolle bei der Bewertung:
Diese Punkte muss jedes Unternehmen für seine eigenen Wertschöpfungsketten und daran beteiligten IT - Systeme bewerten. Der Fakt das es bereits öfter passiert ist, hat natürlich Auswirkung auf die Eintrittswahrscheinlichkeit. Das Schadensaußmaß ist stark vom Geschäftsmodell und dem Einzelfall abhängig. Bei einem digitalisierten KMU dürfte der Schaden jedoch eher im mittleren bis hohen Bereich liegen. Außerdem hat man hier nur eine sehr geringe Möglichkeit die Abläufe zu kontrollieren - also gibt es einen eher niedrigen Kontrollgrad.
US-Unternehmen wie Microsoft unterliegen US-Recht – und zwar weltweit. Gesetze wie der Patriot Act, der CLOUD Act oder das US-Sanktionsrecht gelten unabhängig davon, ob sich die Server physisch in der EU befinden. Im Ernstfall kann ein Account ohne Vorwarnung gesperrt werden. Der Provider darf oft nicht einmal erklären, warum.
Genau das geschah am 20. August 2025, als europäische Richter auf die US-Sanktionsliste gesetzt wurden und deren PayPal-, Amazon- und Microsoft-Accounts schlagartig gesperrt wurden. In diesem öffentlich diskutierten Fall wurde transparent, welche Folgen ein solcher Schritt haben kann.
Passiert so etwas auf Unternehmensebene und sind Risiken ungünstig verteilt, kann im Zweifel nicht einmal mehr der Login am eigenen Rechner funktionieren. Auch der Zugriff auf E-Mails, Identitäten, Backups und weitere zentrale Dienste kann betroffen sein.
Zwar kann die Eintrittswahrscheinlichkeit im Allgemeinen als niedrig bezeichnet werden, sie hängt jedoch stark von der jeweiligen Exposition ab. Gemeinnützige Organisationen waren in der Vergangenheit bereits mehrfach davon betroffen. Das Ausmaß der Auswirkungen lässt sich dabei durchaus als extrem bezeichnen.
Zwar muss dies jeder für sich bewerten, allerdings ist eine solche Sperrung zunächst vollständig. Die meisten Unternehmen dürften kaum eine Möglichkeit haben, auf ein solches Ereignis Einfluss zu nehmen. Der Kontrollgrad kann daher treffend als „nicht vorhanden“ bezeichnet werden.
Große Cloud-Ausfälle kommen regelmäßig vor. Jeder, der Software in der Cloud betreibt, hat das sicher schon erlebt. Positiv fällt auf, dass Ausfälle bei großen Anbietern oft innerhalb weniger Stunden gelöst sind.
Die Mean Time to Repair (MTTR) ist bei Cloud-Systemen oft deutlich niedriger als bei selbst gehosteten Systemen. Das ist ein Vorteil der Cloud, den man mit eigenen Systemen oft nicht abbilden kann.
Ein defekter LinkedIn-Account ist sicher leichter zu verkraften als ein längerer Ausfall der E-Mail-Konten oder des Online-Shops. Die Bewertung hängt 1:1 von den genutzten Services ab.
Man hat eben alles in die Cloud verschoben – Risiko, Daten und Kontrollmöglichkeiten.
Die Entscheidung, viele Dienste in der Cloud zu betreiben und damit rechtliche Risiken sowie Kosten zu externalisieren, birgt nicht selten ein ökonomisches Risiko: Nach einigen Jahren wird es schwierig, den Anbieter zu wechseln.
APIs, proprietäre Services, IAM-Modelle, Managed Databases und vieles mehr – all das ist zunächst bequem. Bis es zu teuer wird.
Dann jedoch sind die Systeme meist so stark miteinander verzahnt, dass ein Anbieterwechsel kaum noch realistisch ist.
Provider werden sich in den seltensten Fällen bereiterklären, einen Anbieterwechsel zu unterstützen. Das sogenannte „Vendor Lock-in" ist eher mit Gravitation verwandt als mit einem Schloss.
Je länger man sich anziehen lässt, desto schwerer kommt man wieder heraus. „Vendor-Gravity" eben. Nicht der Wechsel ist teuer – sondern das Bleiben wird alternativlos.
Cloud-Kosten sind nicht linear. Sie sind nicht einmal erklärbar, ohne Spezialwissen. Egress-Kosten, API-Calls, Storage-Klassen, „Managed Convenience Fees" – die Liste der Kostentreiber ist lang und oft undurchsichtig.
Budgets werden überschritten, ohne dass jemand einen „Fehler" gemacht hat. Allein durch normale Nutzung entstehen oft überraschende Kosten. Kommen hier noch unbeabsichtigte Fehlkonfigurationen hinzu, kann es unerwartet richtig teuer werden. Das eigentliche Risiko ist nicht der Preis selbst, sondern die Unvorhersagbarkeit.
Finanzverantwortliche hassen Überraschungen mehr als hohe Rechnungen. Planungssicherheit ist in der Cloud oft schwer zu erreichen.
Dieses Risiko ist besonders tückisch, weil es fast nie im Risikoregister steht. Wenn alles „managed" ist, passiert Folgendes: Niemand weiß mehr, wie es eigentlich funktioniert. Niemand kann mehr sinnvoll migrieren. Man ist beim Provider nicht mehr Kunde, sondern Bittsteller.
Nach 5 bis 10 Jahren Cloud-only ist eigenes Infrastrukturwissen oft komplett verschwunden. Nicht dokumentiert. Nicht trainiert. Nicht einstellbar. Das Unternehmen verliert die Fähigkeit, seine eigene IT zu verstehen und zu steuern. Und damit manchmal auch die Kontrolle über die eigene Wertschöpfungsmechanismen.
Das ist ein strategisches "Selbstamputationsrisiko" – und es wird meist erst erkannt, wenn es zu spät ist.
Cloud ist nicht „unsicher". Aber sie erzeugt eine falsche Sicherheitspsychologie. Viele Unternehmen wiegen sich in einer Sicherheit, die so nicht existiert. Der Provider kümmert sich schließlich um Betrieb, Backups, Compliance und weitere Themen.
Ein typisches Problem in Cloud-Umgebungen ist, dass das Modell der geteilten Verantwortung häufig in Vergessenheit gerät: Während der Provider lediglich die zugrunde liegende Infrastruktur absichert, liegt die korrekte Konfiguration vollständig in der Verantwortung des Kunden. Gleichzeitig wächst das Identity- und Access-Management oft zu einer Komplexität heran, die die menschliche Intuition überfordert. In der Praxis sind Fehlkonfigurationen daher nicht die Ausnahme, sondern der Normalfall.
Viele der größten Datenlecks der letzten Jahre waren keine Hacks, sondern falsch gesetzte Häkchen. Ein öffentlich zugänglicher S3-Bucket, eine vergessene Firewall-Regel – kleine Fehler mit großen Konsequenzen.
Sicherheit ist kein Feature, sondern eine Tätigkeit. Cloud ändert daran nichts.
Das ist das volkswirtschaftliche Risiko der Cloud-Nutzung. Wenn zu viele kritische Infrastrukturen auf zu wenige Anbieter setzen, entstehen Kaskadeneffekte, die weit über einzelne Unternehmen hinausgehen.
Durch systemische Abhängigkeiten können technische, politische oder organisatorische Ereignisse weitreichende Folgen entfalten. Ein Problem im DNS-Bereich wird dann nicht mehr zu einem isolierten IT-Fehler, sondern zu einem wirtschaftlichen Problem. Politische Konflikte können sich unmittelbar als IT-Ausfälle manifestieren. Und ein einzelner Fehler bei einem Hyperscaler ist in der Lage, gleichzeitig Tausende von Unternehmen lahmzulegen.
Wie real solche Effekte sein können, zeigte sich am 19. Juli 2025, als ein technischer Fehler beim nordischen Zahlungsdienstleister Nets dazu führte, dass Kartenzahlungen in weiten Teilen von Dänemark, Norwegen und Schweden über mehrere Stunden nicht funktionierten. Die Störung begann am Samstagabend gegen etwa 19 Uhr und dauerte fast drei Stunden an, bevor die Systeme wieder stabilisiert wurden. Dadurch waren Kassenterminals, Verkehrszahlungen (etwa an der Storebælt-Brücke) und zahlreiche Einzelhandels- und Gastronomie-Transaktionen betroffen; viele Händler mussten auf Bargeld umstellen oder den Verkauf zeitweise einstellen.
Ein einzelner Fehler bei einem zentralen Dienstleister kann damit nicht nur Systeme, sondern gleichzeitig Tausende von Unternehmen und Millionen von Menschen beeinträchtigen.
Das einzelne Unternehmen kann dieses Risiko nicht lösen, ist aber betroffen. Es ist das „Too Big To Fail"-Phänomen – nur diesmal für digitale Infrastruktur und APIs.
Die Konzentration auf wenige große Anbieter schafft eine systemische Fragilität, die im Einzelfall nicht steuerbar ist.
Paradox, aber real: Cloud kann Innovation bremsen. Das widerspricht zwar dem Marketing-Narrativ, entspricht aber der Erfahrung vieler Unternehmen.
Innovation leidet in Cloud-Umgebungen häufig nicht aus Mangel an Ideen, sondern durch strukturelle Vorgaben. Eine Produktkatalog-Architektur verleitet dazu, nur noch das zu bauen, was der jeweilige Provider bereits vorsieht. Managed Services setzen dabei enge Grenzen: Ungewöhnliche oder neuartige Ansätze lassen sich oft nur schwer in standardisierte Dienste pressen. In der Folge entsteht eine Vendor-getriebene Denkweise, bei der Architekturentscheidungen zunehmend von verfügbaren Services bestimmt werden – und nicht mehr von den eigentlichen Geschäftsanforderungen.
Das Ergebnis ist inkrementelle Innovation, aber kaum radikale Erneuerung. Disruptive Ideen erfordern oft technische Freiheiten, die in stark gemanagten Cloud-Umgebungen nicht gegeben sind.
Wer seine gesamte Infrastruktur in die Hände eines Anbieters legt, übernimmt auch dessen Grenzen – oft unbewusst.

Die Cloud ist längst Teil des Alltags vieler Unternehmen. Doch zwischen Flexibilität, Kostenvorteilen und Geschwindigkeit lauern Risiken, die oft erst sichtbar werden, wenn es zu spät ist. Gutes Cloud-Risikomanagement sorgt dafür, dass Chancen genutzt werden, ohne die Kontrolle über Daten, Prozesse und Geschäftsmodelle zu verlieren.

Cyberangriffe, Datenverlust oder Systemausfälle treffen heute nicht nur Konzerne. Gerade kleine und mittlere Unternehmen geraten ins Visier, weil Schutz oft fehlt oder im Alltag untergeht. Cybersecurity bedeutet nicht Hightech und Fachchinesisch – sondern Verantwortung, Vorsorge und klare Entscheidungen.

Moderne Software entsteht nicht durch KI allein. Sie entsteht durch klare Entwicklungsprozesse, funktionierende Tool-Chains, gelebtes DevOps, saubere Teststrategien und konsequentes Qualitätsmanagement. Genau hier scheitern viele Organisationen: nicht an Ideen, sondern an der Umsetzung.
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