Lebensmittel online verkaufen – aber richtig

Onlineshop, Click & Collect oder Lieferdienst: Welche Strategie passt zu Ihrem Markt?

Ihre Kunden erwarten heute mehr als ein gutes Sortiment vor Ort. Sie wollen online bestellen, bequem abholen oder beliefert werden – am besten noch am selben Tag. Doch der Einstieg in den Lebensmittel-Onlinehandel wirft viele Fragen auf: Was ist rechtlich zu beachten? Wie bleibt die Kühlkette intakt? Und rechnet sich das überhaupt? Wir zeigen Ihnen, wie Sie Multichannel im Lebensmittelhandel erfolgreich umsetzen – Schritt für Schritt und mit der richtigen Technik.

Lohnt sich ein Onlineshop für meinen Markt?

Die ehrliche Antwort: Es kommt darauf an. Nicht jeder Lebensmittelhändler braucht einen vollwertigen Onlineshop. Aber fast jeder kann von digitalen Vertriebswegen profitieren – wenn die Strategie stimmt.

Die wichtigsten Fragen vorab:

  • Wie groß ist Ihr Einzugsgebiet und wie digital ist Ihre Kundschaft?
  • Haben Sie Kapazitäten für Kommissionierung und Lieferung?
  • Welche Produkte eignen sich überhaupt für den Onlineverkauf?

Trockensortiment, Getränke und haltbare Waren sind einfacher zu handeln als Frischfleisch oder Tiefkühlware. Click & Collect ist oft der smartere Einstieg als ein eigener Lieferdienst – geringere Investition, weniger Logistik-Komplexität, trotzdem ein echtes Multichannel-Erlebnis für Ihre Kunden.

Ein Lebensmittelhändler packt ware in eine Click und Collect Tasche und bereite den Versand vor. Auf einem Tablet sieht er die Pick-Liste
Ein Lebensmittelhändler packt ware in eine Click und Collect Tasche und bereite den Versand vor. Auf einem Tablet sieht er die Pick-Liste
Das Bild stellt ein Glas Marmelade und das Ettiket darauf dar, daneben ein Notebook auf dem ein Onlineshopeintrag für dieses Produkt zu sehen ist. Mit der Liste der Allergene.

Rechtliche Anforderungen – was Sie wissen müssen

Der Onlineverkauf von Lebensmitteln ist stärker reguliert als andere Branchen. Wer hier Fehler macht, riskiert Abmahnungen und Bußgelder.

Die wichtigsten Vorschriften:

  • LMIV (Lebensmittelinformationsverordnung): Pflichtangaben zu Allergenen, Nährwerten, Herkunft und Zutaten müssen im Shop sichtbar sein – bevor der Kunde kauft.
  • Mindesthaltbarkeitsdatum: Kunden müssen wissen, was sie bekommen. Zu kurze MHDs sind ein häufiger Reklamationsgrund. Sichern sie ihr Qualitätsmangement.
  • Widerrufsrecht: Bei Lebensmitteln gelten Ausnahmen – aber nur, wenn Sie sie korrekt kommunizieren.
  • Verpackungsgesetz & Einwegpfand: Auch online gilt die Pfandpflicht.
  • Jugendschutz: Alkoholverkauf online erfordert eine Altersverifikation.

Klingt kompliziert? Ist es auch. Aber mit der richtigen Shop-Konfiguration und sauberen Produktdaten lässt sich das beherrschen.

Technik, Logistik und Betrieb – die Bausteine Ihres Multichannel-Erfolgs

Ein Onlineshop ist schnell eingerichtet. Aber ohne saubere Integration in Ihre bestehenden Systeme wird er zum Pflegefall. Und ohne durchdachte Logistik zur Kostenfalle.

Technische Integration – das Fundament

Ihr Onlineshop sollte kein Inselsystem in ihrem Unternehmen darstellen. Die Integration in eine Warenwirtschafts-System spart erhebliche Aufwände und erlaubt eine Aktualität, Die manuelle Pflege der Warenbestände ist zwar auch möglich aber bindet abhängig von der Anzahl der Artikel mit unter enorme Resource.

Generell sind folgende Punkte zentral um ein einen erfolgreichen Betrieb zu gewährleisten:

  • Bestandssynchronisation: Nichts frustriert Kunden mehr als bestellte Ware, die nicht lieferbar ist. Ihr Shop muss wissen, was im Regal liegt.
  • Produktdaten-Management: Bilder, Beschreibungen, Nährwerte, Allergene – für Hunderte oder Tausende Artikel wird ohne PIM-System das zum Albtraum, während sich das für einige wenige dutzend Artikel sicher noch bewerkstelligen lässt.
  • Schnittstellen: Anbindung an Großhandels-Datenbanken, Zahlungsdienstleister, Versand- oder Tourenplanung.
  • Kassensystem-Integration: Wenn Kunden online bestellen und im Markt bezahlen (Click & Collect), muss das nahtlos funktionieren.

Sortiment & Produktdarstellung

Natürlich spielt das Sortiment in einer Multichannel-Strategie eine zentrale Rolle. Nicht jedes Produkt eignet sich gleichermaßen für jeden Vertriebskanal. Während sich ausgewählte Artikel online besonders gut verkaufen lassen, benötigen andere eine stärkere Inszenierung im stationären Handel. Eine konsistente Produktdarstellung über alle Kanäle hinweg – mit klaren Informationen, hochwertigen Bildern und passenden Verpackungsgrößen – schafft Vertrauen und erleichtert den Kauf. Wer Logistik, Sortiment und Darstellung gemeinsam denkt, legt die Grundlage für eine funktionierende und skalierbare Multichannel-Strategie.

Logistik & Fulfillment

Logistik und Fulfillment sind im Onlinehandel häufig der entscheidende Knackpunkt. Dabei scheitern viele weniger an der Technik als an ganz praktischen Fragen: Wer kommissioniert die Bestellungen, und wie gelangt die Ware zuverlässig zum Kunden? Gerade im Lebensmittelhandel sind funktionierende Abläufe hier erfolgskritisch.

Beim Click-&-Collect-Modell erfolgt die Kommissionierung meist direkt im Markt, während die Übergabe über eine Abholstation, die Servicetheke oder ein klar definiertes Zeitfenster organisiert wird. Entscheidend ist dabei eine saubere Abstimmung zwischen Verkauf, Lager und Abholung, um Wartezeiten und Fehler zu vermeiden. Wer einen eigenen Lieferdienst betreibt, steht vor zusätzlichen Anforderungen wie der Tourenplanung, dem Einsatz von Kühlfahrzeugen oder Isolierboxen sowie einer verlässlichen Personalplanung für Picker und Fahrer. Alternativ können externe Partner wie Lieferando, Wolt & Co. für schnelle Same-Day-Lieferungen eingebunden werden, während sich der Paketversand vor allem für haltbare Ware eignet.

Ein zentrales Thema bleibt die Einhaltung der Kühlkette. Insbesondere bei Frische- und Tiefkühlprodukten ist sie unverzichtbar und muss lückenlos dokumentiert werden. Geeignete Verpackungen, Temperaturmessungen und klare Prozesse sorgen nicht nur für Qualität, sondern auch für rechtliche Sicherheit.

Kundengewinnung – lokal denken, digital handeln

Bei der Kundengewinnung im Onlinehandel ist für inhabergeführte Märkte vor allem eines entscheidend: lokal zu denken und digital zu handeln. Der Wettbewerb findet nicht mit großen Plattformen statt, sondern um die Kunden im eigenen Einzugsgebiet. Neben digitalen Maßnahmen wie einem gepflegten Google-My-Business-Profil, lokalen Google Ads, Newslettern mit Wochenangeboten und aktiven Social-Media-Kanälen spielt auch die klare Positionierung eine zentrale Rolle. Themen wie Bio-Qualität, ökologische Herkunft, Regionalität oder ein transparenter ökologischer Fußabdruck können ein starkes Differenzierungsmerkmal sein. Wer diese Werte konsequent kommuniziert und im Sortiment erlebbar macht, schafft Vertrauen und bindet Kunden langfristig.

Betrieb & Kennzahlen

Im Onlinehandel sind aussagekräftige Kennzahlen entscheidend, um den Erfolg des eigenen Angebots realistisch bewerten und gezielt steuern zu können. Eine zentrale KPI ist die Conversion Rate, die angibt, wie viele Besucher eines Shops tatsächlich zu Käufern werden – im E-Commerce liegt sie häufig zwischen zwei und vier Prozent. Ebenso wichtig ist die durchschnittliche Warenkorbgröße, da sie direkten Einfluss auf Umsatz und Wirtschaftlichkeit hat. Der Deckungsbeitrag pro Lieferung zeigt, ob eine Bestellung nach Abzug aller variablen Kosten profitabel ist.

Besondere Aufmerksamkeit verdient die Retourenquote, die stark vom Produkttyp abhängt: Während Retouren bei Tiefkühl- und Frischeprodukten aufgrund gesetzlicher Vorgaben und logistischer Gegebenheiten eher unüblich sind, können sie bei trockenen Lebensmitteln oder haltbaren Produkten häufiger auftreten, etwa bei Fehlbestellungen oder beschädigter Ware. Abschließend gibt die Wiederkaufrate Aufschluss darüber, wie gut es gelingt, Kunden langfristig zu binden und nachhaltiges Wachstum im Onlinehandel zu erzielen.

Eigenständiger Shop, Marktplatz oder beides?

Ein eigener Onlineshop bietet volle Kontrolle über Marke und Kundendaten, ist jedoch mit höherem Aufwand verbunden.Marktplätze überzeugen durch große Reichweite und teils integrierte Logistik, gehen aber mit Abhängigkeiten und Margendruck einher.Ein hybrider Ansatz kombiniert beide Modelle, erhöht jedoch die Komplexität in Steuerung und Organisation.Welche Variante die richtige ist, hängt von Faktoren wie Produkt, Zielgruppen, Kostenstruktur und organisatorischen Möglichkeiten ab – ein genauer Blick auf diese Aspekte lohnt sich vor jeder Entscheidung.

Der Weg zu Ihrem Multichannel-Konzept

Sie müssen nicht alles auf einmal umsetzen. Ein sauberer Start mit dem richtigen System schlägt einen übereilten Launch mit Chaos im Backend.

Unser Ansatz:

  1. Analyse: Wo stehen Sie heute? Welche Systeme sind im Einsatz? Wie digital ist Ihre Kundschaft?
  2. Strategie: Click & Collect, Lieferung oder beides? Eigener Shop oder Marktplatz? Wir entwickeln ein Konzept, das zu Ihrem Markt passt.
  3. Systemauswahl: Shopsystem, Warenwirtschafts-Integration, Zahlungsanbieter – wir finden die richtige Kombination.
  4. Umsetzung: Technische Implementierung, Produktdaten-Import, Prozessdefinition für Picking und Übergabe.
  5. Go-Live & Optimierung: Launch mit echten Kunden, lernen, anpassen, skalieren.

Sie haben Fragen? Wir haben Antworten – und Erfahrung aus Projekten im Lebensmittelhandel und der Produktion.

2 Menschen Planen am Whiteboard eine Customer Journey und integriert in eine Multichannel-Strategie
2 Menschen Planen am Whiteboard eine Customer Journey und integriert in eine Multichannel-Strategie

Bereit für den nächsten Schritt?

Ob Sie gerade erst über Onlinehandel nachdenken oder Ihr bestehendes System optimieren wollen – wir begleiten Sie. Von der Strategieentwicklung über die Systemauswahl bis zur Umsetzung. Persönlich, pragmatisch und mit Erfahrung aus Produktion und Handel..

Kostenlose Erstberatung anfragen

Häufige Fragen zum Onlinehandel im Lebensmittelhandel

Lohnt sich ein Onlineshop für kleine Lebensmittelmärkte?

Das hängt von Ihrem Einzugsgebiet und Ihrer Zielgruppe ab. Für viele inhabergeführte Märkte ist Click & Collect ein profitabler Einstieg – geringere Kosten als Lieferung, aber ein echtes Multichannel-Angebot für Kunden, die Bequemlichkeit schätzen. Wir helfen Ihnen, die Wirtschaftlichkeit vorab zu prüfen.

Welche rechtlichen Anforderungen muss ich beim Online-Verkauf von Lebensmitteln beachten?

Die wichtigsten sind die Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV) mit Pflichtangaben zu Allergenen und Nährwerten, das Widerrufsrecht mit seinen Ausnahmen für verderbliche Ware, das Verpackungsgesetz sowie der Jugendschutz bei Alkohol. Ein korrekt konfigurierter Shop mit sauberen Produktdaten ist die Basis.

Wie halte ich die Kühlkette bei der Lieferung von Frischeprodukten ein?

Mit geeigneten Isolierverpackungen, Kühlakkus und – bei eigener Lieferung – Kühlfahrzeugen. Wichtig ist auch die Dokumentation der Temperaturen und eine klare Kommunikation an den Kunden, wie die Ware nach Annahme gelagert werden soll. Für viele Märkte ist Click & Collect die einfachere Lösung für Frischeprodukte.

Brauche ich ein neues Warenwirtschaftssystem für den Onlineshop?

Nicht unbedingt. Entscheidend ist, dass Ihr bestehendes System eine Schnittstelle zum Onlineshop bietet – für Bestandssynchronisation in Echtzeit. Viele moderne Warenwirtschaftssysteme bringen diese Funktion mit. Wir prüfen, ob Ihr System anschlussfähig ist oder welche Alternativen es gibt.

Was kostet die Einrichtung eines Onlineshops für Lebensmittel?

Die Spanne ist groß – von wenigen tausend Euro für eine einfache Click & Collect-Lösung bis zu fünfstelligen Beträgen für einen vollintegrierten Shop mit Lieferlogistik. Entscheidend sind Ihre Anforderungen, die Komplexität der Integration und der Umfang des Sortiments. Wir erstellen Ihnen ein transparentes Angebot nach der Erstanalyse.

Wie gewinne ich Kunden für meinen Onlineshop?

Lokales Marketing ist der Schlüssel: Google My Business aktuell halten, lokale Suchanzeigen schalten, Newsletter mit Wochenangeboten versenden und im Markt selbst auf das Online-Angebot hinweisen. Ihre Stammkunden sind die ersten Nutzer – wenn das Erlebnis stimmt, kommt die Weiterempfehlung von selbst.